#138: Nicht konsequent, sondern entschieden – Prof. Dr. Michael Braungart über Cradle to Cradle, Wirkung und Mut zur Persönlichkeit
Episode 138: #Verlässlichkeit #Beständigkeit #NichtVonAnerkennungAbhängigSein – so beschreibt sich Prof. Dr. Michael Braungart direkt zu Beginn unseres Gesprächs selbst. Und diese drei Hashtags erzählen schon sehr viel über ihn.
Michael Braungart ist Chemiker, Verfahrenstechniker, Gründer von EPEA, der Environmental Protection Encouragement Agency, also sinngemäß einer Agentur für Umweltermutigung – und Erfinder des Cradle to Cradle (C2C) Designkonzepts, einem wesentlichen Ausgangspunkt für das heute weit verbreitete Prinzip der Circular Economy.
Kennengelernt habe ich Michael im März 2026 auf der Bühne der großen Circular Valley Convention in Düsseldorf, die ich als Mainstage Moderatorin unterstützt habe. Er hielt dort eine Keynote, die mir sehr im Kopf geblieben ist. Einer seiner Gedanken: Wir dürfen Kreislaufwirtschaft nicht einfach linear weiterdenken – denn dann entsteht im Zweifel nur eine Kreislaufwirtschaft in eine Richtung. Genau deshalb braucht es Cradle to Cradle: ein Denken vom Ursprung zum Ursprung. Nicht weniger falsch. Sondern wirklich neu.
Nach seiner Keynote haben wir miteinander gesprochen. Michael sagte zu mir, ich solle mir meine Freundlichkeit bewahren, denn die sei ihm auch auf der Bühne aufgefallen – umso schöner, dass ich ihn jetzt auch freundlich für MUT ZUR PERSÖNLICHKEIT gewinnen konnte.
Ich freue mich sehr, dass ich mit Michael einen absoluten Vordenker der Circular Economy bei MUT ZUR PERSÖNLICHKEIT begrüßen darf. Und ich freue mich besonders, dass wir in dieser Folge nicht nur über Cradle to Cradle, Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit sprechen, sondern auch über seine eigene Geschichte.
Denn meistens wird bei Michael vor allem das Fachliche gefragt. Dabei bietet gerade seine persönliche Seite viel Inspiration für den eigenen Mut zur Persönlichkeit – besonders für Menschen, die mit ihrer Haltung, ihrer Arbeit oder ihrem Business etwas zum Positiven verändern möchten.
Diese Folge ist für Dich, wenn Du Dich fragst, wie Du mit einer eigenen Haltung Wirkung hinterlassen kannst – auch dann, wenn andere noch nicht verstehen, worum es Dir eigentlich geht.
Lass’ Dich von uns beiden mitreißen und inspirieren!
““Es braucht Mut zur Persönlichkeit, weil es gibt viel zu viel Mutlosigkeit und viel zu viel Traurigkeit. Und es gibt vor allem auch viele Versuche, Menschen einzuschüchtern. Und dagegen sollten wir uns wehren. Also macht was, ändert was. […] Und darum, also habt Mut, mischt euch ein und dann ändern wir die Dinge miteinander.“”
🎧 Top 5 Learnings und praktische Impulse aus dem Gespräch mit Prof. Dr. Michael Braungart
1 | Innovation braucht Vertrauen – nicht nur gute Ideen
Einer der ersten starken Sätze von Michael in dieser Folge lautet:
„Für Innovation brauche ich Vertrauen, Verlässlichkeit, sonst kann ich nichts Neues machen.“
Für mich steckt darin ein wichtiger Gedanke für alle, die im Business gestalten, führen, gründen oder verändern wollen: Innovation ist nicht nur eine Frage von Kreativität. Sie braucht Beziehungen. Verlässlichkeit. Einen Raum, in dem Menschen sich trauen, anders zu denken.
Gerade wenn wir wirklich Neues schaffen wollen, reicht es nicht, schneller, lauter oder effizienter zu sein. Wir brauchen Vertrauen – in uns selbst, in andere und in den gemeinsamen Prozess.
2 | Wer Neues schafft, darf nicht von Anerkennung abhängig sein
Michael beschreibt sich selbst mit dem Hashtag #NichtVonAnerkennungAbhängigSein. Und genau darüber sprechen wir ausführlich.
Er sagt:
„Wenn wir von Anerkennung abhängig sind, dann machen wir das, was jemand anders schon kennt.“
Dieser Satz hat mich sehr berührt, weil er so klar auf den Punkt bringt, warum Mut zur Persönlichkeit im Business oft unbequem ist. Wer wirklich neu denkt, bekommt nicht immer sofort Applaus. Im Gegenteil: Neue Ideen werden oft erst einmal nicht verstanden, belächelt oder abgelehnt.
Für Michael ist deshalb klar: Wer Innovation will, darf sich nicht komplett daran orientieren, ob andere die eigene Idee schon wertschätzen. Denn Wertschätzung gibt es oft erst für das, was bekannt ist.
Oder wie er es im Gespräch sagt:
„Wir sind was wert, ohne dass uns jemand dafür schätzt. […] Wir sind Menschen und wir haben eine Würde und dadurch sind wir was wert. Dafür muss uns niemand schätzen.“
Für mich ist das einer der stärksten Gedanken dieser Folge: Würde ist nicht abhängig von Anerkennung. Und Wirkung beginnt manchmal genau dort, wo wir aufhören, ständig Bestätigung zu suchen.
3 | Cradle to Cradle heißt: nützlich sein statt weniger schädlich
Viele kennen den Begriff Cradle to Cradle, aber nicht alle wissen, was wirklich dahintersteckt. Michael erklärt es im Gespräch sehr klar:
„Also die Grundidee ist eine ganz einfache. Ich möchte nützlich sein für diesen Planeten, nicht ein bisschen weniger schädlich. Für weniger schädlich sind wir zu viele.“
Das ist der Kern seines Denkens: Es geht nicht darum, die falschen Systeme ein bisschen besser zu machen. Es geht darum, Produkte, Materialien und Prozesse so zu gestalten, dass sie gesund, kreislauffähig und nützlich sind.
Auch hier steckt für mich ein starker Transfer zu Mut zur Persönlichkeit: Vielleicht sollten wir uns nicht nur fragen, wie wir weniger falsch, weniger laut, weniger störend oder weniger unbequem sind. Sondern: Wie können wir nützlich sein? Für andere. Für unsere Organisationen. Für unsere Gesellschaft. Für die Zukunft.
4 | Mut zur Persönlichkeit heißt: entschieden, aber nicht konsequent
Auf meine Frage, wie Michael Mut zur Persönlichkeit definiert, gibt er keine glatte Antwort. Natürlich nicht. Stattdessen sagt er sinngemäß: Man sollte sich selbst nicht zu wichtig nehmen, sich auf das konzentrieren, wofür man wirklich Leidenschaft hat – und mit anderen anschlussfähig bleiben.
Besonders hängen geblieben ist bei mir dieser Satz:
„Nicht konsequent, sondern entschieden.“
Für Michael ist das vielleicht die schönste Definition von Mut zur Persönlichkeit. Nicht dogmatisch. Nicht moralisch von oben herab. Nicht selbstoptimiert bis zur Erschöpfung. Sondern entschieden.
Entschieden für das, was einem wirklich wichtig ist. Entschieden genug, um dranzubleiben. Aber offen genug, um zu lernen, sich zu verbinden und andere mitzunehmen.
5 | Mach etwas, das Dir wirklich wichtig ist
Als ich Michael frage, wie Menschen ihrem eigenen Mut zur Persönlichkeit auf die Spur kommen können, sagt er:
„Mach etwas, das dir wirklich wichtig ist und dann kannst du die Dinge auch ändern.“
Auch das klingt einfach – und ist gleichzeitig eine große Aufgabe. Denn es bedeutet, sich nicht nur über Rollen, Erwartungen oder Anerkennung zu definieren. Sondern ehrlich zu fragen: Was ist mir wirklich wichtig? Wofür möchte ich meine Energie einsetzen? Und wo will ich nicht nur funktionieren, sondern gestalten?
Gerade für Menschen, die im Business positive Wirkung hinterlassen wollen, ist das aus meiner Sicht ein zentraler Impuls: Mut zur Persönlichkeit beginnt nicht mit Perfektion. Er beginnt mit echter Bedeutung.
10 Fragen für Deine Selbstreflexion
Was ist mir wirklich wichtig – nicht nur beruflich, sondern grundsätzlich?
Wo bin ich noch zu abhängig von Anerkennung?
Welche Idee in mir ist vielleicht noch nicht verstanden, aber trotzdem richtig?
Wo versuche ich, weniger falsch zu sein, statt wirklich nützlich?
Was würde ich anders machen, wenn ich nicht auf sofortige Wertschätzung warten würde?
Wo brauche ich mehr Vertrauen und Verlässlichkeit, um Neues entstehen zu lassen?
Bin ich konsequent – oder wirklich entschieden?
Welche Menschen brauche ich, um mit meiner Idee anschlussfähig zu bleiben?
Wo möchte ich in meinem Business positive Wirkung hinterlassen?
Was wäre mein nächster mutiger Schritt?
Mein persönliches Fazit
Was mich an Michael Braungart besonders beeindruckt, ist seine Mischung aus Klarheit, Provokation, Humor und tiefer Ernsthaftigkeit. Er polarisiert, ja. Aber nicht, um einfach laut zu sein. Sondern weil er Denkfehler sichtbar macht, die wir oft gar nicht mehr hinterfragen.
Er spricht nicht über Nachhaltigkeit als Verzichtsprogramm. Er spricht über Gestaltung. Über Intelligenz. Über Nützlichkeit. Über eine Wirtschaft, die nicht nur weniger Schaden verursacht, sondern einen positiven Beitrag leisten kann.
Und gleichzeitig zeigt dieses Gespräch auch eine persönliche Seite von Michael, die vielleicht viel zu selten sichtbar wird: seine Beständigkeit, seine Unabhängigkeit von Anerkennung, sein Ärger über primitive Lösungen – und seine große Lust, Menschen zum Denken zu bringen.
Für mich schließt sich genau hier der Kreis zu MUT ZUR PERSÖNLICHKEIT. Denn wer mit der eigenen Persönlichkeit Wirkung hinterlassen möchte, braucht nicht nur Sichtbarkeit. Es braucht Haltung. Substanz. Verlässlichkeit. Und manchmal auch den Mut, unbequem zu bleiben.
Oder mit Michaels Worten:
„Habt Mut, mischt euch ein und dann ändern wir die Dinge miteinander.“
Danke für Deinen Mut zur Persönlichkeit, lieber Michael!
💬 Starke Zitate, die hängen bleiben
„Für Innovation brauche ich Vertrauen, Verlässlichkeit, sonst kann ich nichts Neues machen.“
"Wenn wir von Anerkennung abhängig sind, dann machen wir das, was jemand anders schon kennt.“
„Wir sind was wert, ohne dass uns jemand dafür schätzt. […] Wir sind Menschen und wir haben eine Würde und dadurch sind wir was wert. Dafür muss uns niemand schätzen.“
"Ich schütze ja nicht, wenn ich ein bisschen weniger zerstöre. […] Wir brauchen ein anderes Denken, das sagt, ich will für diesen Planeten nützlich sein und nicht weniger schädlich.“
Was steckt hinter der Idee von Cradle to Cradle? „Also die Grundidee ist eine ganz einfache. Ich möchte nützlich sein für diesen Planeten, nicht ein bisschen weniger schädlich. Für weniger schädlich sind wir zu viele.“
"Mach etwas, das dir wirklich wichtig ist und dann kannst du die Dinge auch ändern.“
🎙️Warum unsere Welt Mut zur Persönlichkeit braucht
Unsere Welt braucht Mut zur Persönlichkeit, weil echte Veränderung selten dort beginnt, wo alle sofort zustimmen.
Sie beginnt oft bei Menschen, die eine andere Perspektive einnehmen. Die Fragen stellen, die unbequem sind. Die sich nicht nur fragen, wie man Bestehendes optimiert, sondern ob es überhaupt richtig gedacht ist.
Mut zur Persönlichkeit bedeutet in dieser Folge: sich nicht von Anerkennung abhängig zu machen. Sich nicht in Selbstoptimierung zu verlieren. Sondern entschieden das zu tun, was wirklich wichtig ist – und damit anschlussfähig für andere zu bleiben.
Denn Veränderung entsteht nicht durch moralische Überlegenheit. Sie entsteht durch Inspiration, Vertrauen, Verlässlichkeit und den Willen, gemeinsam etwas besser zu machen.
🎙️Wer ist Prof. Dr. Michael Braungart?
Prof. Dr. Michael Braungart ist Chemiker, Verfahrenstechniker, Gründer von EPEA, der Environmental Protection Encouragement Agency, und Erfinder des Cradle to Cradle (C2C) Designkonzepts – einem wesentlichen Ausgangspunkt für das weit verbreitete Prinzip der Circular Economy.
Mit Cradle to Cradle hat Michael Braungart das Denken über Kreislaufwirtschaft entscheidend geprägt: Produkte und Materialien sollen nicht einfach weniger schädlich sein, sondern gesund, kreislauffähig und nützlich.
Was man in dieser Folge sehr spürt: Michael interessiert sich nicht nur für bessere Produkte. Er interessiert sich für ein anderes Denken. Für eine Wirtschaft, die Qualität ernst nimmt. Für Menschen, die sich einmischen. Und für eine Zukunft, in der wir nicht nur weniger zerstören, sondern wirklich nützlich sein können.
Oder in seinen eigenen Hashtags:
#Verlässlichkeit #Beständigkeit #NichtVonAnerkennungAbhängigSein
📍Michael auf LinkedIn
📍Michaels Webseite
📍Buchempfehlung “Cradle to Cradle”, Piper Verlag
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Denn: Mehr Mut zur Persönlichkeit macht diese Welt eindeutig besser.
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Ich freu mich auf den Austausch mit dir! 💛
Bis zur nächsten Folge – sei mutig, zeig’ Persönlichkeit!
Deine Chérine
📸 Foto: Kollektiv Zwo GmbH (Chérine) - kintoppfilm | Circular Valley Convention 2026 (Michael)
