#142: Expedition Zukunft – Peter Bekaert über Selbstreflexion, Transformation und den Mut, nicht allen zu gefallen

#142: Expedition Zukunft – Peter Bekaert über Selbstreflexion, Transformation und den Mut, nicht allen zu gefallen

Episode 142: #Expeditionsleiter #authentisch #leidenschaftlich – mit diesen drei Hashtags beschreibt sich Peter Bekaert zu Beginn unseres Gesprächs.

Und sie passen ziemlich gut zu einem Mann, der eine klare Vision verfolgt, obwohl der genaue Weg dorthin noch nicht feststeht.

Peter ist Geschäftsführer der Modellfabrik Papier in Düren. Oder, wie er seine Rolle selbst beschreibt: Expeditionsleiter. Gemeinsam mit seinem Team, Unternehmen aus der Papierindustrie und wissenschaftlichen Instituten arbeitet er an einer großen Aufgabe: Die Papierherstellung soll grundlegend neu gedacht und deutlich energieeffizienter werden.

Doch in unserem Gespräch geht es nicht nur um Forschung, Industrie oder technologische Transformation. Es geht um den Menschen, der diese Expedition leitet:

Peter spricht offen über Selbstreflexion, über prägende Veränderungen in seinem Leben und über seinen Weg vom Menschen, der gerne gemocht werden wollte, hin zu einer Führungspersönlichkeit, die bereit ist, klar Stellung zu beziehen und dabei auch einmal anzuecken.

Was ich an Peter besonders spannend finde: Er verbindet Neugier und Begeisterungsfähigkeit mit einer sehr reflektierten Haltung. Er möchte Menschen mitnehmen, ihnen Entwicklung ermöglichen und eine Kultur schaffen, in der Vertrauen, Feedback und unterschiedliche Meinungen nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht sind.

Diese Folge ist für Dich, wenn Du Veränderung gestalten willst, Verantwortung für Menschen trägst oder Dich gerade fragst, wie Du authentischer handeln kannst, ohne dabei die Verbindung zu anderen zu verlieren.

Lass’ Dich von uns beiden mitreißen und inspirieren!


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🎧  Top 5 Learnings und praktische Impulse aus dem Gespräch mit Peter Bekaert

1 | Selbstreflexion ist kein Rückzug – sie ist der Anfang von Entwicklung

Peter definiert Mut zur Persönlichkeit nicht darüber, besonders laut, durchsetzungsstark oder unangreifbar zu sein. Für ihn beginnt dieser Mut im Inneren:

„Mut zur Persönlichkeit ist für mich genau das, dass man zulässt, sich selbst zu reflektieren, dass man auf seine Gefühle hört, gegebenenfalls sogar auch die Gefühle ausspricht, weil das macht es auch für den anderen dann zugänglich.“

Selbstreflexion bedeutet, die eigenen Gefühle, Reaktionen und Muster nicht einfach zu übergehen. Sie wahrzunehmen, auszusprechen und damit auch für andere verständlicher zu werden.

Das erfordert Mut. Denn wer sich ehrlich hinterfragt, muss damit rechnen, nicht immer nur angenehme Antworten zu finden.

Doch genau dort beginnt Entwicklung.

Peter sagt:

„Dass man dann aus dieser Selbstreflexion sich weiterentwickelt und lernt. Also dass man in der Lage ist, permanent sich zu entwickeln, zu lernen und das auch kundzutun.“

Mut zur Persönlichkeit bedeutet deshalb nicht, auf einer einmal gefundenen Haltung zu beharren. Es bedeutet, lernfähig zu bleiben und sich selbst zu erlauben, morgen anders auf eine Sache zu schauen als heute.

2 | Andere Meinungen sind keine Bedrohung, sondern eine Einladung

Wir leben in einer Zeit, in der unterschiedliche Meinungen schnell zu verhärteten Fronten führen. Peter beschreibt einen anderen Weg:

„Jedes andere Argument oder jede andere Meinung ist eine Möglichkeit, selbst auch noch mal wieder nachzudenken.“

Das bedeutet nicht, jede Meinung übernehmen oder die eigene Haltung aufgeben zu müssen. Es bedeutet, offen genug zu bleiben, um den eigenen Standpunkt noch einmal zu überprüfen.

Diese Offenheit ist für Peter ein zentraler Teil von Mut zur Persönlichkeit. Denn eine starke Persönlichkeit muss nicht immer recht behalten. Sie darf zuhören, dazulernen und ihre Perspektive erweitern.

Am Ende unseres Gesprächs formuliert Peter deshalb sehr prägnant, wofür unsere Welt mehr Mut zur Persönlichkeit braucht:

„Mut zur Persönlichkeit führt dazu, dass man offen ist für andere Meinungen und darüber mehr Toleranz für das Andere und für das Anderssein bekommt.“

Gerade dort, wo unterschiedliche Menschen, Kulturen, Unternehmen und Interessen zusammenkommen, wird diese Haltung entscheidend.

3 | Wer Veränderung will, wird nicht nur auf Begeisterung treffen

Transformation klingt häufig inspirierend – bis sie konkret wird.

Denn Veränderung stellt Gewohntes infrage. Sie verändert Rollen, Abläufe, Verantwortlichkeiten und manchmal auch Sicherheiten.

Peter sagt:

„Gerade wenn man verändert und wenn man Veränderung herbeiführen will, stößt es auch auf Menschen, die nicht verändern wollen. Und für die das eine Bedrohung ist.“

Dieses Learning gilt nicht nur für die Industrie. Es gilt für Organisationen, Teams und auch für persönliche Beziehungen.

Wer sich verändert, kann nicht davon ausgehen, dass das eigene Umfeld automatisch mitgeht. Manchmal erzeugt Entwicklung Reibung. Manchmal entsteht Widerstand. Und manchmal müssen wir aushalten, dass andere unsere Entscheidungen nicht sofort verstehen.

Peter hat im Laufe seines Lebens gelernt, sich davon nicht mehr grundsätzlich abhalten zu lassen:

„Man lernt ja im Laufe der Zeit auch, dass man es nicht immer alle recht machen kann.“

Mut zur Persönlichkeit bedeutet daher auch, die eigene Haltung nicht bei der ersten Irritation wieder zurückzunehmen.

4 | Gute Führung macht Menschen nicht abhängig

Einer der stärksten Sätze unseres Gesprächs betrifft Peters Verständnis von Führung:

„Ich will mich selbst eigentlich überflüssig machen. Und ich möchte mein Team und die Menschen um mich herum so aufbauen, dass es theoretisch auch ein halbes Jahr ohne mich laufen könnte.“

Führung bedeutet für ihn nicht, alle Entscheidungen an sich zu ziehen oder als unverzichtbarer Mittelpunkt einer Organisation zu erscheinen.

Das Gegenteil ist der Fall.

Gute Führung schafft Strukturen, Vertrauen und Klarheit, damit Menschen selbst Verantwortung übernehmen können. Sie entwickelt Mitarbeitende, statt sie dauerhaft von der Führungskraft abhängig zu machen.

Das setzt voraus, Wissen zu teilen, Entscheidungen abzugeben und Menschen zuzutrauen, eigene Wege zu finden.

Für Peter ist Zuhören deshalb auch ein unterschätzter Führungs-Skill.

Eine Führungskraft muss nicht auf jede Frage sofort eine Antwort haben. Sie muss einen Rahmen schaffen, in dem Antworten gemeinsam entstehen können.

5 | Eine Vision braucht Mut, Ausdauer und Offenheit für unbekannte Wege

Peter bezeichnet sich selbst als Expeditionsleiter. Dieses Bild passt hervorragend zu seiner Aufgabe bei der Modellfabrik Papier.

Denn eine Expedition beginnt mit einem Ziel – aber nicht immer mit einer fertigen Wegbeschreibung:

„Wir haben eine Vision, wir wissen, wo wir hinkommen wollen. Wir wissen aber noch nicht, wie der Weg aussieht. Wir wissen auch nicht, wer uns alles auf diesem Weg begleiten wird und wie wir da hinkommen werden, aber wir wissen, wo wir hinkommen wollen.“

Diese Haltung ist für jede Form von Transformation entscheidend.

Wir müssen nicht bereits jede Antwort kennen, bevor wir losgehen. Aber wir brauchen ein klares Bild davon, wofür wir arbeiten.

Was Mut in der Industrie ausmacht, beschreibt Peter so:

„Mut zu haben, Sachen zu verändern, also nicht still zu stehen, aber wirklich offen zu sein für Neues, diese Vision zu haben, die Haltung zu haben, das auch umzusetzen. Und auch in schwierigen Zeiten daran festzuhalten. Nicht aufzugeben.“

Mut bedeutet nicht, keine Zweifel zu haben. Mut bedeutet, trotz Unsicherheit weiterzugehen und die Vision nicht aus den Augen zu verlieren.

 

10 Fragen für Deine Selbstreflexion

  1. Wo erlaubst Du Dir aktuell noch nicht, ehrlich auf Deine eigenen Gefühle zu hören?

  2. Welche Reaktion oder welches Störgefühl solltest Du genauer betrachten?

  3. Wann hast Du zuletzt Deine Meinung verändert, weil ein anderes Argument Dich zum Nachdenken gebracht hat?

  4. Wo versuchst Du noch, es allen recht zu machen?

  5. Welche klare Position möchtest Du vertreten, auch wenn sie nicht überall Zustimmung findet?

  6. Welche Veränderung vermeidest Du, weil andere Menschen sie als Bedrohung empfinden könnten?

  7. Gibst Du Deinem Team genug Raum, selbst Verantwortung zu übernehmen?

  8. Was müsstest Du weitergeben, damit andere auch ohne Dich handlungsfähig sind?

  9. Welche Vision trägt Dich, obwohl Du den genauen Weg noch nicht kennst?

  10. Wo solltest Du gerade nicht aufgeben, sondern mutig den nächsten Schritt gehen?

 

💬 Starke Aussagen von Peter, die hängen bleiben

Über Selbstreflexion und Entwicklung

  • Mut zur Persönlichkeit beginnt damit, sich selbst zu reflektieren und auf die eigenen Gefühle zu hören.

  • Gefühle auszusprechen, macht die eigene Perspektive auch für andere zugänglich.

  • Entwicklung bedeutet, permanent zu lernen und das Gelernte auch nach außen zu zeigen.

  • Innehalten ist kein Stillstand, sondern eine Möglichkeit, wieder klarer zu sehen.

Über Authentizität und Haltung

  • Authentisch zu sein bedeutet, zu sich zu finden und das auch zu leben.

  • Man kann es nicht immer allen recht machen.

  • Klare Positionierung kann zunächst Reibung auslösen und trotzdem langfristig Wertschätzung schaffen.

  • Bei sich zu bleiben bedeutet auch, Grenzen zu setzen und sie sichtbar zu machen.

Über Führung und Vertrauen

  • Gute Führung macht die Führungskraft langfristig weniger unentbehrlich.

  • Menschen brauchen ein Umfeld, in dem sie Verantwortung übernehmen und über den Tellerrand schauen dürfen.

  • Vertrauen bedeutet nicht, alles Private offenzulegen. Es bedeutet, sicher sein zu können, dass respektvoll mit einem umgegangen wird.

  • Kritik sollte sich auf die Sache richten und nicht gegen den Menschen.

Über Transformation

  • Veränderung trifft auch auf Menschen, die Veränderung nicht wollen oder sie als Bedrohung erleben.

  • Eine Vision kann klar sein, obwohl der Weg noch nicht vollständig bekannt ist.

  • Industrie braucht Offenheit für Neues, Haltung, Ausdauer und die Bereitschaft, nicht aufzugeben.

  • Zukunft braucht Innovation, Transformation und Mut zur Persönlichkeit.

 

🎙️Mein persönliches Fazit: Wofür wir Mut zur Persönlichkeit brauchen

Weil wir Menschen brauchen, die bereit sind, sich selbst zu hinterfragen, ohne sich dabei ständig selbst infrage zu stellen.

Menschen, die ihre Gefühle wahrnehmen und aussprechen können. Die zuhören, andere Meinungen zulassen und trotzdem eine klare Haltung entwickeln.

Menschen, die Veränderung nicht nur fordern, sondern bereit sind, die damit verbundene Reibung auszuhalten.

Peter zeigt in unserem Gespräch, dass Mut zur Persönlichkeit weder laut noch egozentrisch sein muss. Er kann leise sein, reflektiert und verbindend.

Für ihn schafft dieser Mut Offenheit und Toleranz:

„Mut zur Persönlichkeit führt dazu, dass man offen ist für andere Meinungen und darüber mehr Toleranz für das Andere und für das Anderssein bekommt.“

Vielleicht ist genau das eine der wichtigsten Voraussetzungen für Zukunft: nicht alle Unterschiede auflösen zu wollen, sondern zu lernen, mit ihnen gemeinsam etwas Neues aufzubauen.

Danke für Deinen Mut zur Persönlichkeit, lieber Peter!


🎙️Wer ist Peter Bekaert?

Peter Bekaert ist Geschäftsführer der Modellfabrik Papier gGmbH in Düren – und bezeichnet sich selbst passend zu seiner Aufgabe als Expeditionsleiter.

Er ist gebürtiger Belgier, Vater von zwei Kindern und ein vielseitig interessierter Mensch, der Energie aus intensiven Begegnungen, Sport, Musik, Kunst und neuen Perspektiven zieht.

Als Wirtschaftsingenieur bewegt er sich an der Schnittstelle von Industrie, Forschung, Nachhaltigkeit und Transformation. In der Modellfabrik Papier bringt er Unternehmen, wissenschaftliche Institute und unterschiedliche Kompetenzen zusammen, um an der Zukunft einer traditionsreichen und energieintensiven Industrie zu arbeiten.

Dabei versteht Peter Transformation nicht allein als technologische Aufgabe. Für ihn geht es ebenso um Vertrauen, Unternehmenskultur, Kommunikation und die Frage, wie Menschen gemeinsam Verantwortung für Veränderung übernehmen können.

In unserem Gespräch erzählt er offen von seiner persönlichen Entwicklung, von Selbstreflexion und prägenden Erfahrungen. Er spricht darüber, warum er heute eher bereit ist anzuecken, weshalb er es nicht mehr allen recht machen möchte und warum gute Führung für ihn bedeutet, Menschen so stark zu machen, dass sie auch ohne ihn handlungsfähig bleiben.

Oder in seinen eigenen Hashtags:
#Expeditionsleiter #authentisch #leidenschaftlich

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Denn: Mehr Mut zur Persönlichkeit macht diese Welt eindeutig besser.

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Ich freu mich auf den Austausch mit dir! 💛

Bis zur nächsten Folge – sei mutig, zeig’ Persönlichkeit!

Deine Chérine

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📸 Foto (Chérine): Anni Beier | THE ANNI METHOD

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